Von der BIM-konformen Planung zum Smart Living

Das Pilotprojekt "Future Living" beschäftigt sich seit Beginn der Entwicklung 2013 mit der Integration intelligenter Lösungen in ein Stadtquartier.

Baustelle des Adlershof in Berlin.
Quelle: GSW Sigmaringen GmbH
Im Quartier "Future Living", Berlin, werden die Anwendungsbereiche smarter Gebäude – Komfort, Assistenzsysteme, Energiemanagement, Sicherheit für Nutzer sowie Gebäudetechnik – ganzheitlich abgedeckt. "Future Living" strebt dabei ein barrierefreies und generationenübergreifendes Zusammenleben an. Damit ist es die ideale Testbasis für das Leben und Arbeiten, für die Smart Cities der Zukunft.

Die digitale Aufbereitung von Wohngebäuden bedarf dabei eines ganzheitlichen Konzeptes. Wirtschaftlichkeit wie Nachhaltigkeit sollen für Bauherren, Immobilienbetreiber und Bewohner gleichermaßen gesichert sein. Methoden des Building Information Modeling (BIM), wie die Verwendung einer Lösung für das Computer-Aided Facility Management (CAFM), bilden die notwendige Basis für den Erfolg von Projekten, die sich mit der Zukunft des Wohnens beschäftigen.

Seit Jahresbeginn ziehen im urbanen Stadtquartier "Future Living" in Berlin die ersten Bewohner ein. Das 2013 gestartete Pilotprojekt kombiniert Wohneinheiten in verschiedenen Größen mit Gewerbeeinheiten, Ausstellungsbereichen und Aufenthaltsmöglichkeiten. Zentrales Ziel der zahlreichen Partner um den Initiator GSW (Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg mbh) ist die Entwicklung eines eigenständigen Ökosystems, das intelligente Lösungen und Technologien integriert, im Wohn- und Lebensalltag austestet und zu einer optimierten Nutzung vernetzter Produkte und Services durch Anwender und Anbieter führt.

Einerseits bedeutet dies die Einbeziehung etablierter Smart Home Produkte (z. B. Sprachsteuerung, Smart-TV, vernetzte Haushaltsgeräte, Automation des Wohnklimas), andererseits die Integration zusätzlicher Smart Services, wie die Buchung von Dienstleistungen im Quartier via App (z.B. Car-Sharing, Digitaler Waschsalon, Paketstation). Das dritte wichtige Standbein ist die digitale Aufbereitung von Prozessen, die dem Facility Management (FM) zugeordnet sind und die Bewohner üblicherweise nur wahrnehmen, wenn es Probleme gibt: hohe Betriebskosten, Ausfälle aufgrund von Reparaturen an Aufzügen oder Leitungen, Verlust eines Schlüssels bis hin zu Einbruch oder fehlende Barrierefreiheit. Im Quartier "Future Living" werden deshalb die Anwendungsbereiche smarter Gebäude – Komfort, Assistenzsysteme, Energiemanagement, Sicherheit für Nutzer sowie Gebäudetechnik – ganzheitlich abgedeckt.

Baustelle des Adlerhofs in Berlin.
Quelle: GSW Sigmaringen GmbH
Die digitale Vernetzung aller Anlagen, das zentrale Sammeln von Sensordaten und die transparente Verarbeitung der Daten auf einer gemeinsamen Plattform ermöglichen später zum Beispiel personalisierte Services für die Bewohner und eine effiziente Bewirtschaftung der Immobilie "Future Living".

Smart Living und die Digitalisierung im FM

Die Ausstattung des Quartiers mit einer solch umfassenden smarten Infrastruktur hat die Ziele, in der üblicherweise sehr kostenintensiven Betriebszeit eines Gebäudes möglichst wirtschaftlich zu arbeiten sowie den Nutzern (Bewohnern wie Dienstleistern) eine hohe Lebens- und Arbeitsqualität zu bieten. Ohne eine zentrale und sichere Sammlung aller dafür notwendigen Daten und die Möglichkeit, Prozesse intelligent zu steuern und automatisiert abzuwickeln, ist dies praktisch nicht umsetzbar. Diese Aufgabe übernimmt im Pilotprojekt die Keßler Real Estate Solutions GmbH mit dem CAFM-System "FAMOS". Die Softwarelösung beinhaltet alle wesentlichen Funktionen des infrastrukturellen (z.B. Anlagenmanagement), technischen (z.B. Energiemanagement) und kaufmännischen FMs (z.B. Mietmanagement) über den GEFMA-Standard 444 für CAFM-Software hinaus. Durch die Integration der digitalen Technologien der agierenden Partner in das CAFM-System leistet Keßler Solutions einen zentralen Beitrag zu Weiterentwicklung und Erfolg von "Future Living", Berlin. Die digitale Vernetzung aller Anlagen, das zentrale Sammeln von Sensordaten und die transparente Verarbeitung der Daten auf einer gemeinsamen Plattform ermöglichen eine interaktive Zusammenarbeit aller Stakeholder, personalisierte Services für die Bewohner und eine effiziente und damit kostensparende Bewirtschaftung der Immobilie. Im Detail bedeutet dies unter anderem eine vorausschauende Instandhaltungsplanung und damit Vermeidung von Ausfallkosten, zum Beispiel für Aufzüge, ein nachhaltiges Energiekonzept inklusive verbrauchsgerechter Betriebskostenabrechnung sowie die schnelle Reaktionsfähigkeit bei notwendigen Hilfsmaßnahmen, beispielsweise wenn Sensoren melden, dass ein Bewohner in seiner Wohnung gestürzt ist.

Die Grafik beschreibt die Komponenten von BIM, CAFM und Smart Living näher.
Quelle: Keßler Real Estate Solutions
Keßler Solutions bietet neben der durchgängigen und digitalen Dokumentation und Verwaltung der Daten und Prozesse zusätzliche Lösungen und Services an, zum Beispiel für das Bauprojekt-Management.

BIM in sieben Dimensionen

In einem ganzheitlichen Ansatz zur Integration aller Gebäudelebensphasen in ein Gesamtmodell sehen die Projektverantwortlichen weitere Potentiale für nachhaltige Bauprojekte, die Digitalisierung des FM und die optimierte Integration smarter Produkte und Services. Dazu wird der 7D-Ansatz des Building Information Modeling genutzt, der bereits in der Planungsphase Zeit, Kosten, einzusetzende Bauteile mit ihren spezifischen Informationen sowie die Betriebsphase berücksichtigt. Orientiert am Lebenszyklus von Gebäuden, wird von Beginn an die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet und was das smarte Gebäude oder Quartier einmal leisten soll. Die konsequente und gewerkeübergreifende Sammlung aller relevanten Daten und die Nutzung einer zentralen Plattform, zum Beispiel via Cloud, die diese Daten transparent zur Verfügung stellt, ermöglichen das interdisziplinäre, prozessorientierte Arbeiten aller Stakeholder über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg. So werden beispielsweise die Bau- und Revisionsunterlagen nach Abschluss für die Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Keßler Solutions bietet neben der durchgängigen und digitalen Dokumentation und Verwaltung der Daten und Prozesse zusätzliche Lösungen und Services an, zum Beispiel für das Bauprojekt-Management.

Weiterführende Informationen: https://future-living-berlin.com/

Mittwoch, 12.08.2020