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Softwarehersteller stellt sich den Fragen junger BIM-Enthusiasten

Dipl.-Ing. Jörg Ropers, Geschäftsführer der Tacos GmbH, stellt sich den Fragen von Laura Kern und Tzu-Chieh Han von der Muenster School of Architecture: Wie steht es um das Building Information Modeling (BIM) in Deutschland? Wo sieht der Experte Schwierigkeiten bei der Einführung und welche Entwicklungen würden sie vereinfachen? Antworten auf diese und mehr Fragen rund um das Thema BIM lesen Sie hier.

Jörg Ropers
Quelle: Tacos
Dipl.-Ing. Jörg Ropers ist Geschäftsführer - Leiter Vertrieb bei der Tacos Technische und Administrative Computer-Systeme GmbH.

Tzu-Chieh Han: Können Sie in wenigen Sätzen zunächst einmal Ihren akademischen und beruflichen Werdegang grob umreißen? Bei was für einem Unternehmen arbeiten Sie, wie viele Mitarbeiter hat es und welchen Service bieten Sie an? Auf was für Projekte spezialisiert sich Tacos?

Mein Name ist Jörg Ropers. Nach dem Studium an der TU Braunschweig wechselte ich als Dipl.Ing. (TU) des Maschinenbaus zur Nixdorf AG nach Münster. Als CAD-Dozent war ich beteiligt an der Weiterentwicklung der 3D-CAD-Software "RUKON-TGA" für die Planung und Berechnung von Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung. 1991 wurde der CAD-Bereich aus der SiemensNixdorf AG ausgegliedert in die Tacos GmbH, in der ich 2003 die Geschäftsführung als Leiter des Vertriebs übernahm. Die Tacos GmbH beschäftigt zurzeit 14 Mitarbeiter.

Die Tacos GmbH entwickelt und vertreibt die 3D-CAD-Software "RUKON-TGA" für die Planung und Berechnung komplexer TGA-Anlagen.

Laura Kern: Was kann Ihre Software?

Der Planungsablauf beginnt mit dem Einlesen des 3D-Gebäudes als IFC-Datei (Industry Foundation Classes), in das die TGA-Gewerke hineingeplant und auf Kollisionen gegenüber dem Gebäude und der TGA geprüft werden. Durch die integrierten Berechnungen wie z.B. Rohrnetzberechnung mit hydraulischem Abgleich, Trinkwasser-, Abwasser-, Temperaur- und Akustikberechnung werden die Anlagen ausgelegt und optimiert.

Die TGA-Komponenten besitzen alle relevanten technischen Daten wie Kennlinien, Anschlussparameter und Daten für das Facility Management. Massenauszüge und Berechnungsprotokolle stehen automatisch zur Verfügung. Für die Herstellung von Luftkanal und Formteilen werden die Daten an automatische Fertigungssysteme übergeben.

3D-Schnitte lassen sich automatisch generieren, Änderungen am Modell werden in allen Zeichnungen automatisch nachgehalten. Ziel ist die Optimierung und Koordinierung aller Gewerke, sodass Planungsfehler frühzeitig erkannt und behoben werden können.

Kern: Wie sieht der Datenaustausch aus?

Grundsätzlich empfehlen wir für die Koordinierung der Gewerke 3D-Daten als IFC-Modell auszutauschen. Außer IFC stehen Schnittstellen in den Formaten DXF, DWG und DGN zur Verfügung. Der Anlagenplaner gibt die von ihm erstellten Gewerke als strukturierte Geometrie mit den Produktdaten in Form von Textattributen weiter. Für einen noch umfassenderen Datenaustausch, der in Zukunft auch die Berechnung mit den Werten der TGA-Komponenten in verschiedenen Softwaresystemen ermöglicht, sind die Objekt-Definitionen nach VDI 3805 und ISO 16757 von größter Bedeutung. Diese normierten Objekt-Definitionen müssen noch von verschiedenen Softwarehäusern umgesetzt werden, um BIM besser zu unterstützen.

Kern: Welche Vorteile hat die Software für Bauteilhersteller?

In "RUKON-TGA" werden die technischen und geometrischen Daten der TGA-Komponenten direkt aus den VDI-Datensätzen gelesen und für die Berechnung genutzt. Damit hat der Planer alle für die Auslegung und Optimierung erforderlichen Daten zur Verfügung und der Bauteilhersteller hat auf diese Weise sein Produkt mit allen Informationen im BIM-Modell gespeichert.

Kern: Seit wann beschäftigen Sie sich mit BIM?

Den durchgehenden objektorientierten Planungsprozess wie ihn die BIM-Planungsmethode (Building Information Modeling) beschreibt, kennen wir schon seit ca. 20 Jahren aus dem Schiffbau. Die Schiffsausrüster konnten durch den Einsatz unserer Software die Projektdurchlaufzeiten deutlich verkürzen, bei gleichzeitiger Erhöhung der Planungsqualität.

Exemplarische Darstellung der Anlagentechnik mit Hilfe von VDI 3805-Daten in einem BIM-Modell.
Quelle: Tacos
Exemplarische Darstellung der Anlagentechnik mit Hilfe von VDI 3805-Daten in einem BIM-Modell.

Kern: Wo liegt Ihr Aufgabengebiet im BIM-Prozess?

Die Aufgabe der Tacos GmbH besteht darin, Planern und ausführenden Firmen in der technischen Gebäudeausrüstung eine objektorientierte 3D-, d.h. modellbasierte, Planungssoftware zur Verfügung zu stellen, die den gesamten Planungsprozess vom ersten Entwurf über die Ausführung bis zum Facility Management der Anlagen entsprechend der BIM-Methode unterstützt.

Han: Gab es eine "Change Management"-Strategie bei Tacos oder war der Wandel hin zu BIM ein Experiment? Haben Sie Hilfe von Experten aus externen Unternehmen in Anspruch genommen?

Eine Change Management-Strategie war in unserem Hause nicht erforderlich, da wir von Anbeginn auf eine objektorientierte 3D-Planungssoftware gesetzt haben. Die BIM-Planungsmethode hat uns schon früh in diesem Ansatz bestätigt.

Hilfe von externen Experten haben wir nicht in Anspruch genommen. Wichtig für uns war der Informationsaustausch im "Building Smart"-Arbeitskreis, in den VDI-Fachverbänden und natürlich mit Kunden und Interessenten.

Han: Gab es Widerstand gegen den Wandel von alten Arbeitsweisen zu BIM?

Von unseren Kunden aus dem Kreis der Fachplaner und ausführenden Firmen in der TGA kennen wir Argumente, die BIM entgegenstehen.

Kern: Wo sehen sie die größten Schwierigkeiten bei der Einführung von BIM?

Eine Schwierigkeit bei der Einführung von BIM ist die noch nicht angepasste Honorarordnung. Planer, die zu Beginn des Planungsprozesses Zeit und Knowhow investieren, erhalten zurzeit noch keine adäquate Vergütung.

Durch die Weitergabe des 3D-Modells mit allen Objektdaten befürchten viele Unternehmen, für eventuelle Planungsfehler leichter haftbar gemacht zu werden.

Ausschreibungen eines Planers führen für diesen selbst eventuell nicht zum Auftrag, enthalten aber so viele Details, dass andere Firmen das Bauvorhaben direkt ausführen könnten.

Der Begriff "BIM" wird außerdem von vielen Softwareunternehmen für eigene vertriebsorientierte Zwecke fälschlich verwendet. Unternehmen beanspruchen jedes für sich, eine BIM-Lösung auf der Basis eigener proprietärer Datenformate zu haben. Das geht an der Zielsetzung eines übergreifenden Datenaustauschs in einem durchgehenden BIM-Planungsprozess vorbei. Eigene Interessen stehen über dem so notwendigen Einigungsprozess.

Weiterführende Informationen: http://rukon.de

Donnerstag, 24.05.2018