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Bauphysik

Ressourceneffizient und kreislaufgerecht bauen

Freitag, 29.07.2022

Die Anstrengungen in der Baubranche, nachhaltiger zu werden, gehen weit über Maßnahmen zur Energieeinsparung hinaus.

Verschiedene Ansätze zeigen Potentiale für mehr Ressourceneffizienz und Klimaschutz über den gesamten Bauzyklus.

Das Bild zeigt das Gebäude.
Quelle: Interboden/HPP Architekten
Das Gebäude „The Cradle“ im Düsseldorfer Medienhafen.

Der Verein Aachen Building Experts (ABE) fördert innovatives Bauen und vernetzt deutschlandweit Akteure entlang der Wertschöpfungskette Bau. Geschäftsführer Goar T. Werner weiß, dass im Hinblick auf nachhaltiges Bauen einiges in Bewegung ist: Viele ABE-Mitglieder treiben das ressourceneffiziente und kreislaufgerechte Bauen intensiv mit voran. „Solche Projekte sind zukunftsweisend und sehr spannend. Gerade in der Region Aachen passiert hier viel,“ so Werner.

Bisher produziert die Branche mehr als die Hälfte der weltweiten Abfälle. Innovative Herangehensweisen und alternative Baustoffe können folglich viel bewirken. Häufig wird bei nachhaltigem Bauen noch in erster Linie an Passivhäuser und an Energieeffizienz gedacht. Jedoch berücksichtigen neuere Ansätze zusätzlich die Zeit vor und nach der Lebensdauer des Bauwerks. Recycelbare und nachwachsende Baustoffe wie Holz spielen hierbei eine große Rolle.

Gebäude als Kohlendioxidspeicher

Die Verwendung von Holz bei Gebäudekonstruktionen steigt kontinuierlich. „Der Klimawandel ist wohl die größte gesellschaftliche Herausforderung der Zukunft. Da ist natürlich die Eigenschaft von Holz als CO2-Speicher hervorzuheben“, betont Dr. Thomas Uibel, neben Dr. Wilfried Moorkamp und Dr. Leif Arne Peterson einer von drei Holzbauprofessoren an der FH Aachen. „Ein Kubikmeter Nadelholz speichert etwa 918 kg CO2. Das Holz der Buche bringt es gar auf etwa 1,25 Tonnen.“

Die FH Aachen, Gründungsmitglied des ABE, erkannte früh: Vor allem bei Ingenieurbüros und Holzbauunternehmen wächst mit steigender Holzbauquote der Bedarf an Fachleuten. Sie benötigen zum Beispiel Tragwerksplaner, die sich mit den spezifischen Materialeigenschaften dieses Roh- und Werkstoffs auskennen. Die Hochschule legte daher im Wintersemester 2010/11 den Studiengang Holzingenieurwesen neu auf und setzte damit einen Schwerpunkt in diesem zukunftsweisenden Feld. Im Durchschnitt starten jeden Herbst 45 angehende Holzingenieure, zuletzt waren es sogar 73. Bei der Ausbildung kooperiert die FH Aachen mit dem Berufsbildungszentrum Euskirchen (BZE), neben dem Kreis Euskirchen sind die Handwerkskammer Aachen und die IHK Aachen, zwei weitere Gründungsmitglieder des ABE, Träger des BZE. In Deutschland bilden als weitere Hochschulen nur noch Hildesheim und Rosenheim Holzingenieurinnen und Holzingenieure für das Bauwesen aus.

Holz statt Beton: Nachverdichten und Aufstocken in Innenstädten

Uibel verweist auch auf das vorteilhafte Verhältnis von Eigengewicht und hoher Tragfähigkeit des nachwachsenden Rohstoffs. „Da es sich um leichte Bauteile handelt, ist der CO2-Ausstoß beim Transport vergleichsweise niedrig, ebenso bei der Bearbeitung.“ Auch die Herstellung des Baustoffes erzeugt viel weniger Emissionen als die von Beton und Stahl. „Durch den hohen Vorfertigungsgrad eignet sich Holz hervorragend zum Nachverdichten in Innenstädten. Dies gilt sowohl für das Schließen von Baulücken als auch das Aufstocken von Gebäuden“, so Uibel. Bei im Nach-hinein aufgebrachten zusätzlichen Stockwerken punktet Holz wiederum mit seinem geringen Gewicht. „Auch, wenn das Material nicht ganz günstig ist, stellt der Rohstoff dennoch oft die kostengünstigere Lösung dar, wenn man die Bauzeit mitberücksichtigt“, erläutert der Holzbauprofessor. „Es gibt keine Aushärtungszeiten auf der Baustelle wie bei Betonbauten. Diese Zeitersparnis spielt gerade in innerstädtischen Bereichen eine wichtige Rolle.“ Die Landesbauordnung NRW erlaubt seit 2019 auch mehrgeschossige Holzbauten.

Zirkuläres Bauen mit „Cradle-to-Cradle“

Das „Cradle-to-Cradle“-Konzept („C2C“) wurde ursprünglich für kurz- und mittellanglebige Produkte erdacht und dann ins Bauwesen transferiert. Ein „C2C“-zertifiziertes Gebäude ist so konstruiert, dass die einzelnen Bauelemente nach Ende der Gebäude-Lebensdauer erneut in einen biologischen oder technischen Kreislauf einfließen können. Daher bezeichnen Befürworter dieses Konzepts „C2C“-Gebäude häufig als Materiallager der Zukunft.

Bei einem „C2C“-Bauwerk werden zudem der CO2-Ausstoß und der Gebrauch von nicht recycelbaren Materialien minimiert – von der Fassade bis zum Fußbodenbelag. „Der Entwurf zu einem der ersten und vielfach ausgezeichneten C2C-Bauwerke in Deutschland stammt von unserem Mitglied kadawittfeldarchitektur. Es handelt sich um das RAG-Verwaltungsgebäude auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen“, berichtet Goar T. Werner. „Auch an der Planung und Umsetzung des ersten Wohnhochhauses nach dem »C2C«-Prinzip, dem »Moringa« im Hamburger Elbbrückenquartier, sind zwei ABE-Mitglieder beteiligt: Eine Tochter der Aachener Landmarken AG verantwortet die Projektentwicklung; kadawittfeldarchitektur entwarf auch dieses Gebäude.“

Weiterführende Informationen: https://aachenbuildingexperts.de/

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