Ideengeber und Konzeptentwickler

Integrale Planung im Gespräch mit Michael Gertig, Technischer Leiter beim Planungsbüro EM-plan.

Als EM-plan vor fünf Jahren startete, wo haben Sie da den Schwerpunkt Ihrer Arbeit gesehen?

Zu Beginn waren wir die "verlängerte Werkbank" vom Flächenheizungsspezialisten Empur, unserem Mutterunternehmen. Der Schwerpunkt unserer Arbeit lag denn auch in den Berechnungen und Auslegungen der Fußbodenheizung. Es ging darum, möglichst schnell die Kapazitäten für die Berechnungen zu erhöhen und die Flut von Anfragen schneller zu bearbeiten. Gleichzeitig sollte der Service am Kunden deutlich ausgebaut werden, um den Empur-Außendienst entsprechend zu entlasten.

Ein Mann steht vor der Baustelle eines Hauses.
Quelle: EM-Gruppe

Und wie ging es dann konkret weiter?

Die ersten Aufträge folgten aus den Reihen des Empur-Außendienstes. Nach etwa 1,5 Jahren begannen wir, Aufträge außerhalb von Empur zu generieren. Dieser Geschäftsbereich ist seitdem stark wachsend. Mit unseren Planungen bereiten wir heute den Weg für Empur-Produkte ins Objektgeschäft.

Wie würden Sie die Tätigkeitsfelder von EM-plan heute beschreiben?

EM-plan hat sich von der "verlängerten Werkbank" zu einem selbstständigen Planungsbüro im Bereich der Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektrotechnik (HLSE) entwickelt. Das Büro ist heute Ideengeber und Konzeptentwickler für Heizungsbauer, Bauherren, Investoren aber auch für das eigene Mutterunternehmen. Gleichzeitig stehen wir unseren Partnern mit vielen Serviceleistungen zur Verfügung (z.B. Beratungen zu EnEV und BAFA sowie Baubegleitung und Überwachung).

Welche Leuchtturmprojekte konnten Sie in den ersten fünf Jahren umsetzen?

Das größte und bedeutendste Projekt ist die Sanierung des ehemaligen "KdF"-Gebäudekomplexes in Prora auf Rügen. Hierbei wurde das gesamte Leistungsspektrum der EM-plan abgefordert. Von der HLSE-Planung bis hin zur Baubegleitung und Bauüberwachung im TGA-Bereich sind wir hier tätig.

Die ehemalige
Quelle: EM-Gruppe
Die ehemalige "Kraft durch Freude"-Ferienanlage in Prora aus den 1930er-Jahren steht in traumhafter Lage unmittelbar hinter den Dünen an einem der schönsten Sandstrände von Rügen. Der denkmalgeschützte Komplex wird von Grund auf saniert und umgebaut. Das von EM-plan für den Immobilienkomplex (Block 2 und 3) entwickelte Energiekonzept basiert auf einer Heiztechnik mit kaskadierten Gas-Brennwertgeräten. In den 21 Luxus-Lofts läuft die Heizung und Kühlung der Wohnräume über eine Sole/Wasser-Wärmepumpe.

Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist der Neubau der "Villa Blobel" am Neumarkt in Dresden. Hier stand eine perfekte Ausführung mit einem Maximum an Komfort im Vordergrund. Das Hauptaugenmerk lag im Bereich Heizen und Kühlen sowie der Gebäudeautomation. Aber egal ob groß oder klein, jedes Projekt ist für uns wichtig und der Kunde wird auch so behandelt.

Zwei Handwerker knien vor einem Heizkreisverteiler.
Quelle: EM-Gruppe
Die gesamte EM-Gruppe, allen voran das TGA-Planungsbüro EM-plan, ist beim Neubau der "Villa Blobel" am Neumarkt in Dresden mit der Planung und Realisierung anspruchsvoller Gebäudetechnik und -automation betraut worden. Dabei wurde das Empur-"Geniax"-System auch zur Flächenkühlung eingesetzt.

Worin sehen Sie die Gründe für das schnelle Wachstum des Planungsbüros?

Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Gebäude werden umfassende Planungen immer wichtiger: Hierbei geht es um Komfort, Energieeffizienz, Vernetzung, Nachhaltigkeit und Kostenkontrolle. Dazu müssen alle Gewerke aufeinander abgestimmt sein. Das funktioniert nur mit einer umfassenden Planung.

Gleichzeitig hat die derzeitige Marktsituation mit ihrem Fachkräftemangel dazu geführt, dass die Planung einen deutlich höheren Stellenwert erhalten hat. Durch die weiteren Verschärfungen der gesetzlichen Richtlinien wird immer mehr eine gewerkeübergreifende Planung notwendig, um die gültigen Normen zu erfüllen. Diesen Forderungen hat die EM-plan Rechnung getragen und weitere hoch qualifizierte Mitarbeiter eingestellt. Gleichzeitig investieren wir viel Zeit in die Ausbildung junger Fachkräfte und die Begleitung von Studienprojekten im Bereich der TGA.

Durch den überdurchschnittlichen Einsatz jedes einzelnen Mitarbeiters können wir auf viele zufriedene Kunden bauen. Hieraus ist ein tragfähiges Netzwerk entstanden, durch welches wir immer neue und anspruchsvolle Projekte generieren können.

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Was unterscheidet EM-plan von anderen Planungsbüros?

Wir unterscheiden uns sicherlich durch unseren Blick auf ein Projekt. Unser Planungsbüro ist ja ein "Spin-off" des Unternehmens Empur, also eines Herstellers. Deshalb kennen wir die Produkte und den realistischen Montageablauf und verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Das heißt, wir planen gewerkeübergreifend, um die Schnittstellen zu minimieren und ein Höchstmaß an Energie- und Kosteneffizienz zu erreichen. Wir haben mit Empur und der EM-solution – die den Fachhandwerker bei der Ausführung gezielt unterstützen kann – zwei starke Partner an unserer Seite. In der Bündelung der Kompetenzen liegt der große Vorteil von EM-plan und der EM-Gruppe.

Blicken wir einmal nach vorne: Wo sehen Sie das Unternehmen in fünf Jahren?

Die Entwicklung innerhalb der nächsten fünf Jahre wird nicht nur für EM-plan maßgeblich sein, sondern die ganze TGA-Branche betreffen. Building Information Modeling (BIM) wird beispielsweise aus unserer täglichen Arbeit nicht mehr wegzudenken sein. Die EM-plan wird weiterhin unmittelbar an einen Hersteller angebunden sein, da dies zunehmend Vorteile bringt. Ich denke, die produktneutralen Ausschreibungen werden deutlich zurückgehen und die Planung wird ganz eng mit der Produktion verzahnt werden. Wir praktizieren das in der EM-Gruppe heute schon. Zum Beispiel, indem wir – durch unsere Erfahrungen auf der Baustelle – Empur bei der Entwicklung bestimmter Produkte konkret unterstützen können. Auf dem umgekehrten Weg aber auch genau die Produkte bekommen, die wir für unsere Projekte benötigen. Aber das ist erst der Anfang einer großen Entwicklung, welche die ganze Branche betreffen wird.

Wie lauten also die Themen, die in Zukunft im Fokus stehen werden?

Vorfertigung, Modulbau – ganz klar, der Schritt vom Produkt zur Lösung ist nicht mehr aufzuhalten. Der Wissens- und Fachkräftemangel muss kompensiert werden. Und das wird nicht reichen, denn die Ansprüche der Kunden und damit verbunden die Komplexität der Schnittstellen wird immer höher werden. Einzelne Gewerke werden immer mehr miteinander verschmelzen. Ein weiteres Thema wird alles sein, was man als "Industrie 4.0" bezeichnet. Also die projektbezogene Fertigung von Komponenten bis hin zur Losgröße 1 – sprich: der Fertigung nur eines Bauteils, das genau die Anforderungen erfüllt, die bei einem Projekt nur einmal gebraucht werden. Zukünftig wird die Planung mit der Produktion zunehmend verschmelzen, so dass wir dann auch zur Nachhaltigkeit beitragen, weil große Warenlager, die auf ihren Abverkauf warten, dann der Vergangenheit angehören werden. Was benötigt wird, wird IT-gestützt in dem Moment produziert. Hersteller müssen deshalb wesentlich flexibler werden und sich strategisch neu aufstellen. Und wie bereits betont, BIM wird dabei eine maßgebliche Rolle spielen.

Herr Gertig, wir danken Ihnen für das informative Gespräch.

Mittwoch, 04.09.2019