Integrale Planung und das Internet der Dinge

Gebäude und Technik im Einklang

Ein achtstöckiges Gebäude in Österreich, erbaut von der Rhomberg-Tochter Cree, definiert das Bauen neu: Mit der nachhaltigen Ressource Holz, modularer Systembauweise und einer integralen, digitalen Vorab-Planung mit dem Building Information Modeling-System. Zugleich zeigt dieser „LifeCycle Tower ONE“ in einem Pilotprojekt der Zumtobel Group und Bosch die enormen Potenziale, die in der Verbindung von vernetzten Lichtlösungen mit dem Internet der Dinge liegen.

Der „LifeCycle Tower ONE“ (LCT ONE), den die Cree GmbH, eine Tochter der Rhomberg-Gruppe, in Dornbirn auf der österreichischen Seite des Bodensees errichtet hat, ist ein weltweites Pionierprojekt und zugleich ein Musterbeispiel für integrale Planung. Es ging den Planern um Hubert Rhomberg hier nicht nur darum, zu zeigen, dass sich der Rohstoff Holz auch für Hochhaus-Bauten eignet: So ist der „LCT ONE“ mit seinen acht Stockwerken in ungekapselter, also nicht verkleideter, Holzbauweise das erste derartige Holzhybrid-Hochhaus der Welt.

Doch mehr noch: Darüber hinaus sollte auch das Dreieck aus Kosten, Komfort und Umweltschutz über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes hinweg optimiert werden – oder, wie es Hubert Rhomberg ausdrückt: „Im ‚LCT ONE‘ werden alle Dimensionen der Nachhaltigkeit gelebt: ökologisch, ökonomisch und sozial. So ist Holz nicht nur ein nachwachsender Rohstoff, der aus der Region stammt, sondern sorgt auch für ein unvergleichliches Wohn- und Raumklima und hat eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Ebenso ergänzen sich bei der Haustechnik modernste Technologien zu einem smarten, energetisch hocheffektiven Versorgungskonzept.“

Der LifeCycle Tower ONE in der Außenansicht
Quelle: Norman A. Müller
Der „LifeCycle Tower ONE“ steht für den natürlichen Wandel in der urbanen Architektur.

Am Anfang stand die Überlegung, dass für den Bau von Gebäuden 40 Prozent der weltweiten Ressourcen verbraucht und 60 Prozent der Transporte verursacht werden – und dass Gebäude für 40 Prozent des globalen Energiebedarfs verantwortlich sind. Rhomberg war überzeugt, dass auch vollkommen anders gebaut werden könnte und stellte deshalb die gesamten Fertigungsprozesse von Gebäuden auf den Prüfstand. Dabei sollte auch die graue Energie minimiert werden, also diejenige, die nötig ist, um die Vorprodukte zu erzeugen und zu transportieren sowie am Ende des Lebenszyklus die Entsorgung zu leisten. Das Ergebnis dieser Analysen lässt sich in drei Kernaussagen zusammenfassen:

  1. Baue so viel wie möglich mit Holz.
  2. Produziere so viel wie möglich vor und kombiniere auf der Baustelle nur noch die Module.
  3. Plane integral – mit einem digitalen Zwilling am „Runden Tisch aller Beteiligten“.

Die Begründungen dafür sind einfach. Holz ist nicht nur aus Umweltgesichtspunkten ideal – wobei die Firma Cree sogar dafür sorgt, dass für jedes verbaute Holz wieder neue Bäume gepflanzt werden –, sondern es hat auch nur einen Bruchteil des Gewichts von Stahlbeton, was die Belastung des baulichen Untergrundes drastisch verringert und Lkw-Transporte auch von großen Bauteilen ermöglicht. „Bei tragenden Teilen und aus Brandschutzgründen setzen wir dabei auf Hybrid-Module mit wenigen Zentimeter dicken Betonplatten und darunter liegenden Holzrippen“, erklärt Harald Professner, Leiter der weltweiten Geschäftsentwicklung bei Cree.

Systemtechnik und Planung mit digitalem Zwilling

Einer der entscheidenden Trümpfe ist die Vorfertigung: „Auf unseren Baustellen wird nicht mehr betoniert“, sagt Professner. Stattdessen werden große Modulteile – für die Decken ebenso wie für die Fassaden – in den Werkhallen der Zulieferer präzise vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch „wie Legosteine zusammengefügt“. Der große Vorteil: Rohbau, Fassade und der Einbau der Gebäudetechnik können doppelt so schnell realisiert werden wie bei herkömmlichen Gebäuden. So wurden die acht Stockwerke des „LCT ONE“ in nur acht Tagen hochgezogen, bis das Gebäude dicht war und die Innenarbeiten folgen konnten.

Ebenso wichtig wie die modulare Systemtechnik ist die ganzheitliche Planung. „Wir arbeiten mit unseren Partnern von Anfang an am kybernetischen Tisch, mit einem digitalen Zwilling des Gebäudes“, erklärt Professner. Dank des Building Information Modeling (BIM)-Systems wird alles digital geplant und simuliert. Daraus ergeben sich dann auch die präzisen Maße und Anforderungen an die Module sowie die Aussagen, wer wann, was an die Baustelle zu liefern hat. Außerdem fordert Cree von den Partnern auch Rückbau-Anleitungen, also genaue Aussagen über die Inhaltsstoffe, den ökologischen Fußabdruck und darüber, wie sich ihre Bauteile wieder ausbauen und entsorgen lassen.

Freitag, 07.10.2016

Von Ulrich Eberl
Freier Journalist