Integrale Planung in Zeiten von BIM

Das Bauen in Deutschland ist anspruchsvoll, geregelt und technologisch innovativ – und einer der größten Wirtschaftsfaktoren unseres Landes. So wird in der Bundesrepublik für das Jahr 2018 ein Umsatzplus im Bauhauptgewerbe von vier Prozent prognostiziert, was einem Gesamtumsatz von 117,2 Mrd. Euro entspricht [1]. Damit bleibt der Bausektor die drittgrößte Wirtschaftskraft in Deutschland [2].

Die Europazentrale von Scott in der Schweiz von außen.
Quelle: Itten+Brechbühl AG, Bern
Die Europazentrale der amerikanischen Sportmarke Scott in der Schweiz ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Open BIM-Gedanke mit Leben erfüllt werden kann. Architekten und Fachplaner arbeiteten mit ihren spezifischen Software-Lösungen. Ihre Teilplanungen wurden dann im Gebäudemodell zusammengeführt.

Das klingt sehr gut, hebt diese Entwicklung doch das ohnehin positive Konjunkturbarometer weiter an, sichert Arbeitsplätze in der deutschen Bauindustrie und bietet Investoren, Bauherren und Eigentümern die Option, günstig zu bauen, zu wohnen oder zu vermieten. Denn Finanzieren ist bis auf Weiteres äußerst günstig. Doch ist es zu kurz gegriffen, die mit dieser Entwicklung verbundenen Herausforderungen als simple Randnotiz zu betrachten.

Bauen, unabhängig davon ob Neubau oder Sanierung, wird immer komplexer und teurer. Hierzu tragen nicht nur aufwendige Bauvorschriften und Normen, sondern knappe Bauplätze in attraktiven Stadtlagen und die angespannte Situation im deutschen Handwerk bei: Übervolle Auftragsbücher bei jedem guten Handwerker sind an der Tagesordnung. Die Kosten für Bauleistungen sind 2017 durchschnittlich über vier Prozent gestiegen [1].

Konsequenten BIM-Prozess im Projekt anstreben

Unter diesen Rahmenbedingungen ist es umso wichtiger, dass Planung, Bauausführung und Bauüberwachung möglichst effizient und fehlerfrei verlaufen. Denn jeder bereits im Entwurf ausgeräumte Planungsfehler vereinfacht die Bauphase, verringert das Risiko von Terminverzögerungen im Bauablauf und minimiert ungeplante Folgekosten. Kollaboration, enge Zusammenarbeit im Team und integrale Planung sind wichtige Prozess-Werkzeuge, um ein Projekt erfolgreich zu realisieren.

Virtueller Gebäudeplan.
Quelle: Itten+Brechbühl AG, Bern
Eine virtuelle Gebäudeplanung am Beispiel des Hauptsitzes der Graphisoft, einer Marke der Nemetschek Group. Modelliert mit "ArchiCAD" von Graphisoft.

Der BIM-Prozess, angestoßen durch die digitale Planungsmethode, ermöglicht die reibungslose Zusammenarbeit aller Planungsbeteiligten – wenn die vorgenannten Werkzeuge konsequent eingesetzt werden. In der Theorie ist das lange bekannt, doch setzen sich sowohl BIM als auch die damit möglich werdende integrale Planung zwar stetig, aber langsam durch. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Die Durchgängigkeit in der Planung und der konsequente Einsatz von BIM wird noch nicht für jedes Projekt verlangt. Damit verläuft der Planungs- und Bauprozess in vielen Bauvorhaben noch immer konventionell.
  2. In den Büros, die mit BIM arbeiten, wird häufig unter Einsatz von "Little BIM" gearbeitet. Das bedeutet, dass der BIM-gerechte Austausch mit anderen Fachplanern nur eingeschränkt möglich ist.
  3. Die Übergabe der Baueingabeplanung und der Dokumentation an die Baubehörden erfolgt in der Regel mit 2D-Plänen. Technisch gesehen ist das nicht mehr zeitgemäß, rechtlich jedoch erforderlich.
  4. Die Schnittstellen, zu liefernde Inhalte und Zuständigkeiten von Architekt, Fachplanern und Bauunternehmen müssen klar definiert werden. Und zwar in einer sehr frühen Planungsphase. Idealerweise erfolgt dies schon mit der Erarbeitung der Auftraggeber-Informations-Anforderung (AIA) und dem daraus entwickelten BIM-Projektabwicklungsplan (BAP), der Teil des Bauvertrags zwischen Architekt und den Planungsbeteiligten wird.
  5. Die digitalen Arbeits-Werkzeuge, also die Softwarelösungen, die für die BIM-Planung zur Verfügung stehen, sind so breit gefächert wie der Bauprozess selbst. Da sie jedoch essentiell in einer heute digitalen Arbeitsumgebung in den Architektur- und Ingenieurbüros sind, muss besonderes Augenmerk auf sie gelegt werden.

Komplette Bandbreite der Software nutzen

Die integrale Planung, die unter anderem die (möglichst) reibungslose Zusammenarbeit mit verschiedenen Softwarelösungen im Planungsprozess umfasst, erfordert den formatübergreifenden Datenaustausch. Möglich wird dies trotz proprietärer Dateiformate, die jede Lösung für sich beansprucht, über das zentrale IFC-Austauschformat. IFC lässt sich über die Softwarelösungen der Hersteller möglichst oder eventuell auch weitgehend verlustarm von einem Programm zum anderen übertragen. Damit ist ein wichtiger Schritt zur Datenkonsistenz geleistet, die unerlässlich für BIM ist.

Verschiedene Hersteller haben sich in den vergangenen Jahrzehnten im Planungsprozess etabliert und bilden mit ihren spezifischen Produkten einzelne Teilbereiche der Planung ab. In ihrem jeweiligen Nutzungsbereich lassen sie sich perfekt verwenden. Doch ist es vor allem die Anbindung an andere Software, bedingt durch das wirtschaftliche Interesse des einzelnen Herstellers, die eine durchgängig digitale Planungskette immer wieder unterbricht.

Weiterführende Informationen: https://www.nemetschek.com

Freitag, 19.10.2018

Von Tim Westphal
Fachredakteur