Fußbodenheizung besitzt Entwicklungspotential: ein Appell

Die Fußbodenheizung hat sich in den letzten 40 Jahren so schleppend entwickelt wie kaum eine Technik im Wohnungsbau. Aber es gibt Lichtblicke! Um die Entwicklungspotentiale bei Fußbodenheizungen zu zeigen, gibt unser Artikel zuerst einen Rückblick auf die Entwicklung und beschreibt dann den Status Quo. All dies dient als Basis einen Appell an die Marktteilnehmer in Fachplanung, -handwerk, -handel und der Heizungsindustrie.

Die ersten Fußbodenheizungen

Die ersten Schritte bzw. Versuche, Flächen zu temperieren, wurden im Bereich der Einfamilienhäuser durch nahtlose Stahlrohre ausgeführt, welche in Schlangen im Sandbett unterhalb des Estrichs verlegt wurden. Diese Installationen sollten den kalten Steinboden erwärmen. In Mehrfamilienhäusern wurden dagegen Stahlrohre in die Betondecke eingegossen. Hier gab es keine Trittschalldämmung und keinen Estrich. Diese Art der Fußbodenheizung war demnach gleichzeitig auch Deckenheizung - eine energiefressende Alternative ohne Komfortanspruch, da die Anlage eigentlich nicht regelbar war.

Erste "moderne" Fußbodenheizungen Anfang der 70er

Verteiler für die Fußbodenheizung von 1975
Quelle: Autor
Verteiler für die Fußbodenheizung von 1975

Erst Anfang der 1970er-Jahre wurden die ersten "modernen" Fußbodenheizungen gebaut: Neue Kunststoffrohre wurden in den Estrich eingebettet. Nach Multibeton brachte TA - Tour & Andersson Anfang 1973 nach Vorarbeit von CTC das "Goflästra"-System auf den Markt. Es war ein System mit Kunststoffrohr, damals noch Polypropylen-Rohr (PP), das auf der ISH 1973 in Frankfurt/M. vorgestellt wurde.

Danach kamen viele neue Systeme auf einen unübersichtlichen Markt. Denn Polypropylen-Rohre extrudieren konnte jeder Fensterprofil-Hersteller. Daraus ein System für eine Fußbodenheizung zu generieren, war denkbar einfach: Zwei Verteiler-Stangen, davor Detentoren oder Muffenschieber in einem verzinkten Mauerkasten, auf dem Verteiler Regulierventile und absperrbare Rücklaufverschraubungen mit Klemmringverschraubungen sowie Entlüftungs- und Entleerungs-Ventile - fertig ist die Fußbodenheizung (Abb. 2). Wärmemengenzähler wurden nicht eingebaut. Die Heizkreise, vorzugsweise aus PP-Rohren, wurden auf Baustahlmatten oder Flachstahl befestigt. Darunter Trittschall- und Wärmedämmung entsprechend den damaligen Normen. Sauerstoffdiffusion und UV-Beständigkeit des Rohrmaterials waren damals noch kein Thema.

In den 90ern: Fußbodenheizung wird beliebter

In den 1990er-Jahren beginnt die Fußbodenheizung, sich gegen Heizkörpersysteme im Wohnungsbau durchzusetzen. Auslöser sind hierbei die gleichwertigen Herstellungskosten sowie günstige bauphysikalische Voraussetzungen der Gebäude, die eine energiesparende Niedertemperaturheizung ermöglichen. Gesundheit, Komfort und freie Raumgestaltung lagen ferner im Trend. Die Einzelraumregelung, wie Raumfühler mit elektrischen Stellantrieben, wurde erst mit der Heizungsanlagen-Verordnung (HeizAnlV) vom 1. Juni 1994 bei der Fußbodenheizung zur Pflicht.

Jetzt: Geringer technischer Fortschritt bei der Fußbodenheizung

Verteiler einer Fußbodenheizung auf dem Stand der Technik.
Quelle: Oventrop
Fußbodenheizungsverteiler, Stand der Technik.

Jetzt hat die Zukunft die Vergangenheit eingeholt. Wenn man Umfragen glauben darf, hat der geringe technische Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte im Segment Fußbodenheizung unter anderem auch folgende Gründe:

Der investierende Endverbraucher - der eigentlich regulierende Markt - kennt die Mängel bei der Fußbodenheizung, die es abzustellen gilt, schlicht und ergreifend nicht. Er glaubt, eine fehlerfreie, dem aktuellen Stand der Technik entsprechende Heizung zu erwerben. Oder drastischer ausgedrückt: Ihm wird in Hochglanzprospekten "vorgegaukelt", wie "perfekt" das von ihm gewählte Heizungssystem sei. Selten bringen Bauträger alle an der Planung beteiligten Fachingenieure an einen Tisch, um sich über Vor- und Nachteile eines neuen Produktes oder Systems informieren zu lassen. Problematisch, da erst ein solches Gespräch mit Fachingenieuren und Herstellern Klarheit bringen kann.

Der Heizungsbauer, primär der Gesprächspartner des investierenden Einfamilienhaus-Bauherren, verlässt sich in der Regel auf die Informationen der Hersteller. Bei Ausschreibungen scheitern alternativ ausgeschriebene, "neue" Systeme häufig am Motto: "Das haben wir schon immer so gemacht!"

Freitag, 23.09.2016

Peter Gabanyi
Von Peter Gabanyi
Dipl.-Ing. (FH) Energie- und Versorgungstechnik