Esslinger Hochgewächs

Reallabor der Energiewende in der Region Mittlerer Neckar

Die zylinderförmige Weinrebe ist klein und dichtbeerig. Der Rispenstiel ist kurz und vergleichsweise holzig.

Eng gerafft stehen die rundlichen Beeren von gelb-grünlicher Farbe. Die Schale der Beere ist dick, das Bouquet ist fein und sehr nuancenreich. Der Riesling als eine weiße Rebsorte wird zu den hochwertigsten Gewächsen gezählt, der Wein bevorzugt als rassig, lebendig, frisch-elegant, stahlig und mineralisch beschrieben. Viele Spitzenlagen sowohl in Deutschland als auch in anderen Weinbauländern sind mit Riesling bestockt.

In der Bauphase: „Neue Weststadt - Klimaquartier“ auf einem Areal von 12 Hektar.
Quelle: Maximilian Kamps, Agentur Blumberg / https://neue-weststadt.de/informationszentrum/
Auf einem Areal von 12 Hektar, das Leuchtturmprojekt "Es_West_P2G2P" Neue Weststadt - Klimaquartier.

Je mehr Sonne desto besser

Was hinsichtlich des Weinanbaues ein weit verbreiteter Irrglaube ist – schließlich wächst der feinste Wein eher in kühlen Zonen – beim Projekt „Neue Weststadt – Klimaquartier“ in Esslingen am Neckar spielt die maximale Nutzung der Sonnenenergie eine wesentliche Rolle. In Sichtweite des urwüchsigen Weinbergs, wird vor Ort zukünftig mit Power-to-Gas-to-Power P2G2P als neuer Schlüsseltechnologie überschüssiger Ökostrom in „grünen Wasserstoff“ umgewandelt.

Energieautarke Wohngebäude als Schlüssel zum Klimaschutz

"Die Abkehr von individuellen Wärmeerzeugern zu einer gemeinsamen Quartiersversorgung bietet die Chance einer Skalierung der Wirtschaftlichkeit. Es lassen sich die Wirkungsgrade für die Umwandlung der Einsatzenergie in die benötigten Medien erlangen und erneuerbare Energiequellen über ein gemeinsames Wärmenetz effizienter erschließen", so die Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch e.V., abgekürzt ASUE.

Die bauliche Entwicklung der „Neuen Weststadt“ ist mit ihrer Größe von über 12 Hektar das bedeutendste Stadtentwicklungsprojekt der Stadt Esslingen. Auf dem zentral gelegenen Gelände entsteht ein urbanes Quartier mit Wohnungen in Kombination mit Arbeitsplätzen, Nahversorgung, Grünflächen und einem Quartiersplatz.

Klimaneutral wohnen und leben im Quartier. Reallabor der Energiewende in der Region Mittlerer Neckar.
Quelle: Maximilian Kamps, Agentur Blumberg / https://neue-weststadt.de/informationszentrum/
Urbanität mit Beispielcharakter: Klimaneutral wohnen und leben im Quartier.

Diese vielfältige Nutzungsmischung sichert nachhaltig die Attraktivität und Funktionsfähigkeit des urbanen Geflechts aus modernen Arbeitsplätzen, attraktiven Wohnbereichen und vielfältigen Freizeitangeboten.

Kernstück des technologisch innovativen Stadtquartiers ist das energetische Konzept. In der Quartiersmitte befindet sich eine Versorgungsinfrastruktur mit einer Energiezentrale – mit dem zukunftsfähigen Ansatz, bei dem auf lokaler Ebene eine Kopplung der Sektoren Strom, Wärme, Kälte und Mobilität im Mittelpunkt steht.

Überschüssiger erneuerbarer Strom aus den lokalen Photovoltaik-Anlagen und aus überregionaler Erzeugung wird mittels Elektrolyse umgewandelt. Es entsteht grüner Wasserstoff. Dieser wird gespeichert und kann erstmalig bedarfsangepasst bereitgestellt werden. Die Wärme, die beim Vorgang der Elektrolyse entsteht, wird zudem zur Versorgung des Quartiers beitragen.

Sektorenkopplung als Modell

Das Quartier umfasst im Endausbau rd. 550 Wohneinheiten, Büro- und Gewerbeflächen sowie einen Neubau der örtlichen Hochschule. Das Ziel ist, einen nahezu klimaneutralen Stadtteil – im Projekt definiert mit unter einer Tonne CO2-Emissionen pro Bewohner und Jahr für Wohnen und Mobilität – zu errichten. Dies wird u. a. durch die Reduzierung des Energiebedarfs, einen hohen Grad an Solarisierung, die Nutzung der Abwärme aus der Wasserstoff-Erzeugung sowie den Einsatz von Biomethan in BHKWs erreicht.

Zentrales Element der Energieversorgung des Quartiers ist ein Wasserstoff-Elektrolyseur mit einer Leistung von 1.000 kWel. In ihm wird Strom aus erneuerbaren Energiequellen in „Grünen Wasserstoff“ umgewandelt.

In der Referenz, Klimaquartier in Esslingen a.N.: „P2G“ – Strom wird in Wasserstoff zwischengespeichert
Quelle: Maximilian Kamps, Agentur Blumberg / https://neue-weststadt.de/informationszentrum/
„P2G“ – Strom wird umgewandelt und zwischengespeichert in Wasserstoff, dem Energieträger mit der höchsten Energiedichte von 33,33 kWh/kg.

Der eingesetzte Strom stammt aus lokalen PV-Anlagen auf den Gebäudedächern sowie überwiegend aus Erzeugungsanlagen, die von außerhalb überschüssigen, erneuerbaren Strom über das öffentliche Stromnetz liefern. Die etwa 25 – 30 % Abwärme des Elektrolyseurs (ca. 60 °C) wird über ein Nahwärmenetz im Quartier genutzt, um rd. die Hälfte des Wärmebedarfs der Wohngebäude und der Hochschule zu decken. Durch die Wärmeintegration wird ein Jahresnutzungsgrad der Elektrolyse von ca. 85 – 90 % erreicht.

Weiterführende Informationen: https://youtu.be/eJL0_UJXPyk

Mittwoch, 16.06.2021

Von Dipl.-Ing. (FH) Eckart Reiser
Online-Redaktion
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