BIM: echte Revolution oder bloßer Hype?

BIM ist in aller Munde und doch weiß niemand so genau, was eigentlich wirklich damit gemeint ist.

Wie ein babylonisches Sprachgewirr bei ebenselben Turm schwirren verschiedenste Begriffe im Raum umher, obwohl beide Seiten oft das gleiche meinen. Ist es die revolutionäre Entwicklung oder ist es nur gerade wieder ein Modehype, der wie die Nachhaltigkeit in ein paar Jahren wieder abebbt? Es braucht tiefgreifende Veränderungen in der Bauindustrie - aber sind wir uns diesen Veränderungen und den damit verbundenen Auswirkungen wirklich bewusst?

Vor ein paar Wochen war ich auf ein BIM-Seminar im Bundespresseamt eingeladen, bei dem mich einige Wortmeldungen zusammenzucken haben lassen:

"Wenn ich dem Bauherren gegenüber komplett offen bin, was habe ich dann noch in der Hinterhand, wenn es um die Begleichung meiner Rechnungen geht?"

"Warum ist die Produktivität in der Bauindustrie in den letzten Jahren und Jahrzehnten schlechter geworden?"

"Ich habe soviel Geld in Software investiert, bekomme aber keine Daten raus."

Ist das nicht verquer? Man kauft etwas, von dem man sich erhofft, dass es alle Probleme, die man hat oder noch gar nicht kennt, löst und nebenbei noch fünf Arbeitsplätze redundant macht und den Gewinn in unbekannte Höhen schraubt.

Cartoon mit einem Mann vor acht PC-Bildschirmen
Quelle: www.cadcartoons.com
"Ich habe soviel Geld in Software investiert, bekomme aber keine Daten raus."

Woher kommt diese Denke und warum ist es genau das Falsche, wenn es um die Vereinfachung von Prozessen geht?

Mit diesen zwei Sinnfragen möchte ich gerne meine Kolumne unter www.integrale-planung.net beginnen und Sie herzlich zur Diskussion und Reflexion einladen!

Es ist schon frappant, dass sich in der Bauindustrie in den letzten Jahren und Jahrzehnten, wenn man nur auf Zahlen und Statistiken schielt, sich nicht wirklich etwas weiterentwickelt hat. Böse Zungen sagen, dass die größten Erfindungen der Bauindustrie der letzten 50 Jahre Silikon und Bauschaum seien. Aber sind sie das wirklich? Das kleine, zarte Pflänzchen Building Information Modeling (BIM) und Virtual Design and Construction (VDC) fängt erst an zu treiben und doch erwartet man Wunder und kommt gleich mit dem Obstkorb zum Ernten, obwohl es noch gar keine Früchte hat. Es braucht Veränderung in der Bauindustrie. Tiefgreifende.

Sicherlich, Veränderungen benötigen Zeit. Wenn man diese hat. Viele Experten gehen davon aus, dass es circa fünf Jahre benötigt, dass sich BIM durchsetzt auf dem Markt. Hat die Bauindustrie in Europa diese notwendige Zeit?

Fünf Jahre sind eine sehr lange Zeit, gemessen am technologischen Fortschritt. Man kann sich nur glücklich schätzen, dass es sich bisher nur um Glück handelt, dass Baufirmen aus Billiglohnländern wie China soweit entfernt sind. Die zwei größten Baufirmen in China kommen auf zusammen 184.000 Mitarbeiter, mehr als die Summe der Einwohner in Genf oder Basel. Der Umsatz dieser beiden beträgt 53 Mrd. US-$ - soviel wie Hochtief, Strabag, Eurovia und Bilfinger zusammen erwirtschaften...

Machen wir mal ein Gedankenexperiment:

Was wäre, wenn diese chinesischen Firmen mit ihren Möglichkeiten in den europäischen Markt schwappen, weil es im Heimatmarkt zu einer Baisse kommt? Sicherlich ist es nur ein Gedankenspiel! Häuser aus dem "Betondrucker", Wolkenkratzer, die in 14 Tagen aufgestellt werden und bezugsfertig sind, all diese Entwicklungen tun wir ein bisschen zu leichtfertig ab als Spielerei. China ist in unseren Köpfen immer das Land der verlängerten Werkbank und kopiert, wo es nur kann. In diesen Ländern sind diese Methoden aber bereits Realität und werden bereits im Alltag umgesetzt.

Sollten wir, vor allem in der Bauindustrie, nicht offen sein für Verbesserungen, Innovationen und Möglichkeiten, die sich aus BIM ergeben?

Aber vielleicht sollte man erst einmal den Term BIM oder besser VDC definieren. Hier fängt schon das erste Verständigungsproblem an. Jeder im Planungs- und Bauprozess definiert BIM anders. Wie definieren Sie BIM/VDC? Warum hilft es Ihnen? Hilft es Ihnen wirklich?

Freitag, 14.10.2016

Von Adrian August Wildenauer
pom+Consulting AG