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BIM: Das große Versprechen und die Wahrheit in der Praxis

Wie BIM bereits heute erfolgreich eingesetzt wird

Der anfängliche Hype scheint abgeflacht und die tägliche Berichterstattung lässt mittlerweile auch durchaus Raum für ungeschönte Aspekte. Dies führt nunmehr zu einer vergrößerten Zurückhaltung und Skepsis bei Fachplanern und Architekten. Nach wie vor gibt es – gefühlt – mehr Vorträge und Schulungen zum Thema Building Information Modeling (BIM), als dass es Unternehmen gibt, die danach arbeiten. Google zeigt etwa 19.500.000 Artikel zum Suchbegriff BIM. Ein Standard ist aber noch nicht klar definiert und vorhanden.

In der Diskussion, wo wir in Deutschland in Bezug auf BIM stehen, sollte man die Baubranche nicht über einen Kamm scheren. Es gibt unterschiedliche Anforderungen und unterschiedliche Entwicklungen für die diversen Branchenvertreter.

Ein Bauunternehmer hat andere Interessen wie ein Heizungsinstallateur. Ein TGA-Fachplaner hat andere Interessen wie ein Generalunternehmer. Ein Nutzer oder Betreiber betrachtet BIM noch einmal aus einem ganz anderen Winkel.

BIM-Modell eines Hauses.
Quelle: BFT Planung
Da Digitalisierung (auch in der Baubranche) eindeutig mehr ist als nur ein Trend, hat BFT Planung als mittelständisches Unternehmen bereits vor einigen Jahren beschlossen, BIM ernst zu nehmen.

Wunsch vs. Realität

Wie so oft sind große, anfänglich komplexe Prozesse in kleine verständliche Schritte aufzuteilen, sodass die Angst bei allen Beteiligten genommen werden kann. Seit Jahren gibt es große Versprechen, dass sich Kosten aufgrund von Effizienzsteigerungen nach der Einführung von BIM sofort oder zeitnah um 20 bis 30 Prozent reduzieren. Genauso wird suggeriert, dass alles klar definiert ist und Software nach dem Prinzip "plug & play" funktioniert.

Die Wahrheit ist leider eine andere. Genau diese Erwartungen wurden und werden noch nicht erfüllt und die nicht klar definierten Prozesse, Gesetze und Richtlinien – eigentlich für Deutschland unüblich – führen zu einer Wartekultur und Investitionsverschiebungen. Es passiert zu lange nichts Verbindliches.

Natürlich gibt es bereits seit einigen Jahren, vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) veröffentlicht, einen "BIM-Leitfaden" und auch einen "Maßnahmenkatalog zur Nutzung von BIM in der öffentlichen Bauverwaltung", aber diese Dokumente und auch weitere haben nie einen verbindlichen Status erreicht.

Außerhalb der Baubranche wird das Thema Digitalisierung ernst genommen. Sogar so ernst, dass die ursprünglichen Softwareunternehmen nicht nur in der Automobilbranche eingestiegen sind, sondern jetzt auch Fuß fassen in der Baubranche. Google und Facebook bauen jetzt selbst! Sie lassen nicht mehr bauen.

Da Digitalisierung (auch in der Baubranche) eindeutig mehr ist als nur ein Trend, haben wir als mittelständisches Unternehmen bereits vor einigen Jahren beschlossen, BIM ernst zu nehmen. Sowieso hat man als Mittelständler die Pflicht, die Zeichen der Zeit zu erkennen, um nicht irgendwann unterzugehen.

Hinterfragen von bestehenden Planungsprozessen

Die BFT Planung GmbH als Teil der BFT Gruppe mit Sitz in Aachen arbeitet seit 2014 auch nach der BIM-Methodik. Als Gesamtplanungsbüro und Dienstleister für die Bauwirtschaft mit über 120 Mitarbeitern in den Bereichen Architektur, Tragwerksplanung, Technische Anlagen und Energietechnik sowie Infrastruktur und Umwelt bietet es aufgrund der vielen internen Schnittstellen gute Voraussetzungen, um BIM in der Planung anzuwenden. Die Projektstruktur wiederum – es werden jährlich etwa 600 Projekte bearbeitet – lässt eine wirtschaftlich flächendeckende Einführung eigentlich nicht zu.

Die Einführung und Optimierung von Planungsprozessen begleitet BFT bereits seit der Gründung des, immer noch inhabergeführten, Unternehmens im Jahr 1984. Um langfristig am Markt zu bestehen, ist ein ständiges Hinterfragen der eigenen Prozesse erforderlich. So wurde BIM auch nicht als Modeerscheinung wahrgenommen, sondern als Chance, sich erneut in vielerlei Hinsichten zu hinterfragen. Damit es für alle Mitarbeiter handhabbar bleibt, heißt es bei BFT von Anfang an: "BIM ist das, was wir daraus machen."

Visualisierung einer Fabrik.
Quelle: BFT
Derzeit werden bei BFT mehrere Projekte nach der BIM-Methode geplant. Die Anforderungen sind stark unterschiedlich. Die internen BIM-Prozesse werden tagtäglich erweitert und optimiert.

Wie bei vielen anderen auch, gehört die 3D-Konstruktion bereits seit Jahren zum Standardleistungspaket. Die praktische Anwendung der BIM-Methode geht aber viel weiter. BIM kann mehr. Was davon sinnvoll und wirtschaftlich einsetzbar ist und wie schnell man neue Methoden einführen möchte, das sollte jedes Büro bzw. jedes Unternehmen für sich herausfinden und festlegen.

Einführung der BIM-Methodik in der Praxis

Anfänglich wurde durch mehrere kurze, informative Veranstaltungen das gesamte Büro über das Thema BIM aufgeklärt. Zugegebenermaßen natürlich noch sehr oberflächlich und zum Teil auch noch mit Versprechungen, die sich später so nicht umsetzen ließen. Das ist aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht relevant. Wichtig ist es, über diverse Veranstaltungen das Interesse der Mitarbeiter zu wecken. So konnte ein hoch motiviertes Team aus den eigenen Reihen gebildet und die ersten Schritte in die BIM-Welt gewagt werden.

Parallel zu der internen Entwicklung haben sich auch erste Kunden mit Anfragen in Richtung BIM gemeldet. Die Bandbreite ist auch hier sehr groß. Vom reinen 3D-Zeichnen bis hin zu intelligenten Modellen für die spätere Nutzung durch Facility-Management-Software ist alles dabei.

BFT hat sich entschieden, die ersten Schritte gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institutszentrum Schloss Birlinghoven (IZB-LD) zu gehen. Gemeinsam mit dem Leiter Liegenschaftsdienste des Instituts, Frank Krings, wurden Ziele festgelegt.

Bewusst wurde entschieden, ein kleines Bauvorhaben als "Testprojekt" anzugehen. Das Team um Frank Krings hat im Rahmen der Projektvorbereitungen das vollständige Campus-Gelände baulich in einem Modell abgebildet. In einem ersten Schritt waren zwei Geschosse des Gebäudes C5 zu modernisieren. Durch die enge Zusammenarbeit, hier mit einem externen Architekten sowie dem Bauherrn, und das gegenseitige Vertrauen, gemeinsam die Prozesse zu definieren und zu optimieren, kann man durchaus von einem ersten Erfolg in der BIM-Welt sprechen. Seitens BFT wurden die TGA sowie der Brandschutz geplant.

Parallel zum ersten Projekt wurden Workshops mit erfahrenen Beratern durchgeführt – sowohl um sich technisch weiterzubilden als auch um einen Einblick in die noch nicht ausgeschöpften Möglichkeiten zu erhalten. Das Ergebnis war ausschlaggebend für die Auswahl der richtigen Softwarepakete. Wir haben hier stets auf langjährige Partner gesetzt, die ebenso wie wir auf Kontinuität und Qualität setzen. An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass eigentlich kein Softwarehaus die erforderlichen Schnittstellen ausreichend bedienen kann.

Es wird viel entwickelt und zugekauft. Ein gewisser Vertrauensvorschuss ist erforderlich. Schlimm ist nur, wenn man mit der falschen Erwartungshaltung startet. Heute darf man davon ausgehen, dass alle namhaften Software- und Produkthersteller sich mit BIM auseinandergesetzt haben und eventuell fehlende Schnittstellen mit Hochdruck bearbeiten.

Die Herausforderung für Planer

Mit einem kleinen und agilen Team wurde und wird gemeinsam mit der Unternehmensleitung die Planungsweise mittels BIM kontinuierlich weiterentwickelt. Die Herausforderung für alle Planer ist sicherlich, die verschiedenen kundenspezifischen Anforderungen und Wünsche effizient zu realisieren.

Die HOAI dient schon längst nicht mehr als Basis eines Standardvertragswerks für Planungsleistungen. Auch ohne BIM ist es zunehmend eine Herausforderung, genau die Leistungen vertraglich festzuhalten, welche vereinbart werden sollen. Die angefragten Leistungen bei Bauvorhaben, finanziert durch öffentliche Auftraggeber, weichen in großem Maße ab von zum Beispiel privaten Inverstoren, Projektentwicklern und Generalübernehmern.

Die Herausforderungen für Planer liegen in der projektspezifischen Anwendung der BIM-Methodik, um für jeden Kunden stets das optimale Ergebnis erzielen zu können und damit die eigene Wirtschaftlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren. BIM steht für Qualität. Über die Prozessoptimierung steigt die Planungsqualität und bietet somit auch mehr Kostensicherheit. Idealerweise sogar eher als bisher die HOAI vorgibt.

Ein BIM-Modell eines Gebäudes.
Quelle: BFT
Die ersten Schritte von BFT in der BIM-Welt: Bewusst wurde entschieden, ein kleines Bauvorhaben als "Testprojekt" anzugehen.

Weiterführende Informationen: https://www.bft-planung.de

Dienstag, 14.08.2018

Von Jens Reineke
Geschäftsführer BFT Planung GmbH